Das Team der helsa-Qualitätssicherung: v. li. Manuela Becher-Riess, Hannelore Müller, Ute Haberstumpf-Roßner, Abteilungsleiterin Irma Klier und Nicole Wimmer. Nicht im Bild: Andrea Neumann, Christina Rausch und Sabine AmmonDer Napftiefentest misst die Prägetiefe der Gaszählermembranen.Nur 0,16 – 0,4 mm dick sind die hauchdünnen Gewebe der Gaszählermembranen.Der Bally Flexometer knickt Membranen circa eine Million Mal - so oft, wie sie im Lauf ihrer 20-jährigen Lebensdauer durchschnittlich gefaltet wird.Hand- und Maßarbeit: In der Qualitätssicherheit geht es um jeden Millimeter.Die chemische Ad- und Desorptionsprüfung simuliert das Be- und Entladen eines Aktivkohlemediums mit n-Butan-Gas.Hier zählt jeder Faden: Genauigkeit ist Voraussetzung, wenn etwa das Schrumpfverhalten von Textilien gemessen wird.
10.05.2018 helsainside, helsakarriere
Von: Monika Scherer

An ihr kommt bei helsa niemand vorbei

Unsere Abteilung der Qualitätssicherung im Porträt

Waschmaschinen, Trockner, Bügeleisen. Nein, wir befinden uns nicht in der Reinigung oder zuhause im Waschkeller, sondern in der Abteilung für Qualitätssicherung (QS) bei helsa.

Als ich vor einiger Zeit bei helsa begann, war sie eine der ersten Abteilungen, die mir begegneten und sie war mir sofort sympathisch. Nun habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mich für Sie dort umgesehen und viele Fragen zu ihren Aufgaben gestellt. Kommen Sie mit?

Mein Weg dorthin führt mich durch die großen helsa Fertigungshallen. Das Brummen der Maschinen vermischt sich mit dem Schnurren der Gabelstapler, die durch die Gänge fahren. Hier Säcke mit Aktivkohlepulver, dort riesige Rollen Flächenware, hier ein gerufener Gruß, dort ein Hallo und ich stehe vor der Türe zum QS-Büro.

Nach dem geschäftigen Treiben in der Halle empfängt mich drinnen angenehme Ruhe. Die acht Kolleginnen der helsacomp- und helsatech-Qualitätssicherung sind ein eingeschweißtes Team und kennen sich seit Jahren. Es herrscht deutlicher Frauenüberschuss, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tut. Das Berufsbild des Textillaboranten wird hier einfach gerne weiblich interpretiert.

Ute, meine Kollegin aus dem abteilungsübergreifenden helsanews-Redaktionsteam, empfängt mich und beantwortet geduldig meine zahlreichen Fragen.

 

Als Abteilung mittendrin im Geschehen

Die QS ist Schnittstelle zwischen Einkauf, Produktion und Vertrieb. In einem Satz erklärt besteht ihre Aufgabe darin, Produkte, die wir von Lieferanten erhalten und solche, die helsa an Kunden ausliefert, auf ihre Qualität hin zu untersuchen. Es ist jedoch mehr als reine Labortätigkeit: Der direkte Kontakt mit Kunden und Lieferanten, Entwicklern und den Kollegen aus Einkauf und Vertrieb macht die tägliche Arbeit abwechslungsreich.

Irma Klier, Abteilungsleiterin und Ruhe in Person, koordiniert alle Aufgaben, die anstehen. Ich spüre ihre Begeisterung für das, was sie nun bereits seit fast 20 Jahren bei helsa tut.

Die Aufgaben der Abteilung sind mindestens so vielseitig wie die Produkte, die helsa herstellt. Es ist eine gesunde Mischung aus Labor- und Schreibtischarbeit. Physikalische oder chemische Prüfungen gehören genauso dazu wie Prozessbeschreibungen und Ergebnisdokumentation.

 

Ein klares Regelwerk für die Prüfung unserer Produkte

Für jedes Produkt, das unsere Fertigung durchläuft, gibt es ein Produkthandbuch, in dem definiert ist, welche individuellen Prüfungen vorgenommen werden müssen. Im Prüfmethoden-Handbuch wiederum ist exakt beschrieben, wie die Prüfung einer bestimmten Methode abzulaufen hat. Zum Beispiel erprobt eine Prüfung die Trennkraft von beschichteter Reversseide. Für den Laien erklärt: Wie viel Kraft muss ich aufwenden, um die beiden Schichten einer Reversseide auseinander zu reißen?

Für die Tests kommen unterschiedliche Prüfmittel, also Geräte oder Vorrichtungen zum Einsatz: wie schon erwähnt Waschmaschine und Trockner, Reißgeräte, Mikroskope und Pressen, Wärmeschränke, Brenn- und Flammkästen, der „Muffelofen“ (mit einer Hitzeleistung bis 1000°C), Waagen, Druckluftgeräte, Dampfbügelpressen und weitere Prüfvorrichtungen, etwa für die Adsorptionsprüfung unserer helsatech-Aktivkohleprodukte. Die Bedienung ist echte Handarbeit und setzt viel an mathematischem, physikalischem und chemischen Wissen voraus.

Für helsacomp-Produkte (Gaszählermembranen und Membranen für die Mess- und Regeltechnik) überprüft der ScopeCheck die Maßgenauigkeit von Stanzungen, die Napftiefenprüfung die Prägetiefe der Gaszählermembranen und die händische Messung die Dicke. Die hauchdünnen Gewebe fühlen sich durch ihre Elastomerbeschichtung glatt und kühl an, vor allem aber sind sie hauchdünn. Ihre Dicke bewegt sich zwischen 0,16 – 0,4 mm, also im beeindruckenden Zehntelmillimeterbereich. Seit 1980 schon ist die Fertigung dieser dreidimensionalen, formstabilen Präzisionsprodukte ein Spezialgebiet von helsa.

Besonders beeindruckt mich auch der Bally Flexometer. Das Gerät stellt den durchschnittlichen Lebenszyklus einer Membran nach und knickt sie circa eine Million Mal, so oft also, wie sie im Lauf ihrer 20-jährigen Lebensdauer durchschnittlich gefaltet werden wird. Es ist amüsant zu beobachten, wie x kleine Gelenke fröhlich nebeneinander hin und her wippen und der Zähler sich stetig auf die 1.000.000 zubewegt.

Bei helsa liegen die Prüflabore in unterschiedlichen Gebäuden, was für Ute das Zurücklegen mehrerer Kilometer am Tag bedeuten kann. Das Piepen des Weckers bestimmt und strukturiert ihren Tag und man sieht sie kaum ohne dieses Accessoire. Sie nimmt es sportlich und mit Humor.

Die Dauer der Prüfungen kann stark variieren. Manches lässt sich in fünf Minuten erledigen, anderes dauert bis zu zwei Tage. Das Prüfprotokoll dokumentiert währenddessen, wie sich die Produktprobe nach den jeweiligen Tests verhält und die Ergebnisse werden am Ende im sogenannten Abnahmeprüfzeugnis festgehalten und an den Kunden weitergegeben.

 

Ein Prüfverfahren für die Aufnahmeleistung von Aktivkohlemedien

Für mich als Chemie-Laiin wird es spannend, als sie mich zu einer Adsorptions- und Desorptionsprüfung mitnimmt.  

Für die chemisch Unbewanderten unter Ihnen eine kurze erklärende Vorbemerkung:

Die helsatech GmbH beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit dem Thema Luft- und Gasreinigung. Uns interessieren vor allem Luftverunreinigungen, die gasförmig vorliegen und die nur mit Hilfe von Molekularfiltern eingefangen werden können. Wir stellen das aktive Innenleben dieser Geruchsfilter her und nutzen dafür das Adsorptionsmittel Aktivkohle. Aktivkohle besitzt durch ihren Herstellungsprozess eine enorme äußere und innere Oberfläche, an die sich Gasmoleküle durch Adsorption anlagern können und damit gebunden werden.

Wenn Ute also eine Ad- und Desorptionsprüfung durchführt, prüft sie, welche Masse an gasförmigen (Schad-)Stoffen unser Produkt aus der Luft ziehen kann, bis es gesättigt ist und wie schnell es das angelagerte Gas im Anschluss wieder abgibt. Die Prüfmethode, die dafür vorgeschrieben ist, nennt sich SBC-Messung und dauert im Ganzen zweieinhalb Stunden. Der „saturated-butane-capacity quick test“ simuliert das Be- und Entladen eines Aktivkohlemediums mit n-Butan-Gas.

Sie kennen Butan vielleicht aus dem Alltag, denn es wird im Gemisch mit Methylpropan und Propan zum Beispiel als Brenngas in Feuerzeugen eingesetzt. In unserem Testfall wird es verwendet, weil es Eigenschaften hat, welche Benzindämpfen sehr nahe kommen.

In einem sogenannten U-Rohr aus Glas wird die vorher mit Stickstoff gespülte „neutrale“ Probe mit n-Butan gespült. Vorher und nachher geht es jeweils auf die Waage, denn der Gewichtsunterschied verrät uns die Menge des aufgenommenen Prüfgases.

Aus den Testergebnissen ist am Ende abzulesen, wie das Aufnahme- und Abgabeverhalten des Produkts ist, und damit, wie leistungsfähig das Produkt ist. Diese Daten sind eine wichtige Ausgangsbasis für die Kollegen aus der Entwicklungsabteilung, die gemeinsam mit unseren Kunden für deren spezifische Anforderungen Lösungen finden.

 

Um einiges schlauer beende ich schließlich meinen Besuch der helsa-Qualitätssicherung und staune auch jetzt noch über ihre vielschichtigen Aufgaben. Selbst ich als chemisch und physikalisch Unbegabte habe Lust bekommen, einige der Prüfungen selbst durchzuführen.  

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