Die Allianz Arena in München bei Nacht. Ihre charakteristische Fassade besteht aus <br>2760 Folienkissen aus Ethylen-Tetrafluorethylen und damit im Kleinsten aus Kunstfasern.Tierische Fasern wie die von Schafen, Alpakas oder Kamelen überzeugen mit Eigenschaften, <br>die von weich und glänzend bis wärmespeichernd und anschmiegsam reichen.Als wäre es moderne Kunst: Ein Faserverbund, unter dem Mikroskop betrachtet.
28.06.2018 helsapedia, helsainside

Was die Allianz Arena mit Alpakawolle zu tun hat

Die faszinierende Welt der Fasern

Wer von Ihnen kennt es? Die neue Jacke ist gerade ein einziges Mal getragen und – nein: der erste Fleck! Nun gut, dann eben ab in die Waschmaschine. Vorher natürlich der Blick aufs Pflegeetikett und genau dies ist dann der Moment, in dem wir „am eigenen Leib“ einen Kurs in Materialkunde geboten bekommen.

Viele Begriffe wie Baumwolle, Viskose oder Leinen sind uns vertraut, andere lesen sich dagegen wie eine Fremdsprache: Acetat, Modal, Yak, Lyocell oder Ramie.

Was bedeuten diese Bezeichnungen und was gibt es darüber zu wissen? 

Gäbe es keine Fasern, gäbe es kein helsa. Sie bilden die Grundlage fast aller unserer Produkte, ob als Gestricke, Gewirke, Gewebe, Geflechte, Vliese oder Filze. Wir kennen uns also aus und nehmen Sie mit in die faszinierende Welt der Textilkunde. 

Die Faser: Der kleinste gemeinsame Nenner

Ausgangsmaterial für jedes Gebilde ist die Faser. Laut Duden ist sie ein „feines, dünnes fadenähnliches Gebilde, das aus einem pflanzlichen oder tierischen Rohstoff besteht oder synthetisch erzeugt ist und als Ausgangsmaterial für Garne und Gewebe dient“. Im größeren Verbund werden aus ihr Garne, Gewebe, Gewirke, Geflechte und Gestricke gemacht und daraus schließlich Bekleidung, Technische Textilien und vieles mehr.

Dass sie weit mehr Verwendungszwecke finden als nur in Stoff für Klamotten, Vorhänge und Autositzbezüge ist vielen nicht bekannt. Wussten Sie zum Beispiel, dass das Dach der Allianz Arena in München letztlich­­ aus Faserstoffen besteht?

 

100 Fasern – 100 Eigenschaften

So viele Arten von Fasern es gibt, genauso viele Eigenschaften können sie haben. Da wären zum Beispiel mechanische und optische Merkmale, aber auch das Reaktionsverhalten auf Feuchte, Wärme, Luft, Sonneneinstrahlung oder Chemikalien.

Die Charaktereigenschaften bestimmen in logischer Folge die Verarbeitungseigenschaften (z. B. Färbbarkeit, Schrumpfverhalten) und Gebrauchseigenschaften (z. B. Haltbarkeit, bekleidungsphysiologisches Verhalten).

Ob nun also ein Hemd leicht knittert, wärmt oder schnell trocknet, hängt also von der Beschaffenheit der einzelnen Faser ab. Durch ihre individuelle Beschaffenheit eignen sie sich damit für jeweils ganz spezifische Anwendungszwecke.

Ganz grundsätzlich unterscheidet man zwischen Natur- und Chemiefasern. Während heute synthetische Fasern mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, wurden bis vor etwa 100 Jahren ausschließlich natürliche Fasern verwendet.

 

Naturfasern: Tradition seit Jahrtausenden

Schon vor 34.000 Jahren drehten Menschen Flachs zu Schnüren und Seilen, um damit Tierhäute zusammenzunähen. Auch heute noch verwenden wir pflanzliche oder tierische Fasern gerne, um Kleidung herzustellen.

Die beiden bekanntesten Pflanzenfasern dürften wohl Baumwolle und Leinen sein.

Baumwolle ist sehr saugfähig und kann bis zu 32% ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen. Die extreme Hautfreundlichkeit macht sie sehr beliebt. Leinen, gewonnen aus Flachs, trugen schon die Menschen der Jungsteinzeit. Heute wird es vor allem für Sommermode verwendet, weil es atmungsaktiv und wärmeregulierend ist.

Daneben gibt es noch weit mehr Sorten, als Sie vielleicht kennen: Von der Bambusfaser bis hin zur Kenaffaser nennt uns Wikipedia alleine an die 40 Arten.

Unter dem Begriff der „Tierischen Faser“ stellen sich die meisten die klassische Schafwolle vor. Doch auch Ziegen, Kamele, Lamas, Alpakas, Yaks, Moschusochsen oder Kaninchen geben Wolle, die ganz unterschiedliche Eigenschaften mitbringen. Wolle wird versponnen und findet je nach Qualität und Eigenschaft Einsatz als Web-, Strick-, Wirk- oder Teppichgarn.

Eine Sonderstellung hat hier die Seide, die nicht Haarkleid, sondern Kokonfaden der Seidenraupe ist. Als einzige in der Natur vorkommende Endlos-Faser (rund 1 km lang!) besteht sie hauptsächlich aus Protein. Ihr Preis als eines der teuersten Stoffe macht sie zum Rolls Royce unter den Tierfasern. Auch in der Pflege ist sie ein Sensibelchen: Heißes Waschwasser, direktes Sonnenlicht und Schweiß kann sie nicht leiden. Dafür belohnt sie mit edlem, glamourösem Glanz.

 

Chemiefasern: Sportsocken aus dem Reagenzglas

Fasern, die aus dem Chemielabor stammen, nennt der Volksmund gerne „Kunstfasern“. Sehr vereinfacht erklärt wird dafür Rohmaterial verflüssigt, anschließend durch Düsen gepresst und versponnen. Ausgangsmaterial für „zellulosische Chemiefasern“ ist Holz, für „synthetische Chemiefasern“ Erdölprodukte oder Kohle. 

Spannend finden wir, dass man durch chemisch-technische Verfahren neue, innovative und hochspezialisierte Produkte entwickeln kann. Stellen Sie sich vor, aus Erdgas werden wie von Zauberhand atmungsaktive Sportsocken! Holz verwandelt sich in eine wunderschön weich fließende Viskosebluse!

Dass es natürlich nicht ganz so einfach ist, ist klar. Doch in Laboren lassen sich tatsächlich Hochleistungsstoffe und wahre Alleskönner kreieren, die perfekte Eigenschaften für bestimmte Einsatzzwecke mitbringen.

Das klingt wie ein Laboratorium der unbegrenzten Möglichkeiten, nicht wahr? Ob sich das jemand vor 100 Jahren hätte vorstellen können...?

Ich denke, Sie verstehen nun, woher unsere Begeisterung für das Grundelement unserer Produkte rührt…

 

Demnächst berichten wir hier wieder über Wissenswertes und spannende Fakten zu diesem Thema.
Wussten Sie zum Beispiel, dass Glasfaser elastisch sein kann, obwohl sie doch aus Glas besteht??

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